Feierliche Ehrung des Engagements des Dozenten an der FHoeV NRW und Polizeioberrates Andreas Brings durch den Freundeskreis Yad Vashem der deutschsprachigen Länder am 16.05.2012 in Düsseldorf

Bericht zur GedenkveranstaltungBericht als PDF zum Download

Ende April erreichte meinen Mann Andreas Brings eine Mail des Freundeskreises der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem, vertreten durch die Direktion der deutschsprachigen Länder. Man fragte an, ob er am Mittwoch, 16. Mai 2012, an der Ehrung seines Engagements teilnehmen könne.

Vollkommen überrascht und erst einmal sprachlos nahm er diese Einladung an. Sie wurde von ihm als große Ehre und Anerkennung seiner langjährigen Tätigkeit empfunden. So hieß es von Seiten Yad Vashems, dass man seine 35jährige Auseinandersetzung mit dem Thema des Nationalsozialismus würdigen möchte.

Am 16.05.2012 wurden mein Mann und ich von Herrn Arik Rav-On, Direktor des Freundeskreises Yad Vashem in den deutschsprachigen Ländern und der Schweiz und Herrn Marko Georg Zaic, Mitarbeiter des Landtages NRW, im Landtag in Düsseldorf empfangen.

Einleitend berichtete Herr Rav-On, dass man diese Auszeichnungen heute besonders sorgfältig prüfe und Auskünfte über die zu würdigende Person einhole. Bis hin nach Israel zu Yad Vashem habe man sich erkundigt und dort Unterstützung in der Entscheidung für diese Anerkennung erhalten. Dies sei leider heute erforderlich, da es in der Vergangenheit schon Angriffe auf gewürdigte Persönlichkeiten gegeben habe, was heute ausgeschlossen werden müsse, um der guten Sache nicht zu schaden.

Er betonte mehrfach das beträchtliche Engagement meines Mannes. So machte er deutlich, wie wichtig diese Tätigkeit aus eigenem Antrieb sei. Mit etwas Sorge betrachtet er die Entwicklung, dass sich seit einigen Jahren zunehmend Menschen mit dem Thema Nationalsozialismus und Holocaust beschäftigen, da dies gerade „Mode“ sei. Yad Vashem versuche, sich von den Menschen zu distanzieren, die diese Einrichtung als „Türöffner“ nutzen und sich nur zu dem Zwecke engagieren, Aufmerksamkeit und Ansehen zu erlangen. Die Arbeit meines Mannes habe aber schon lange vor dieser bedauerlichen Entwicklung ihren Anfang genommen.

Arik Rav-On erläuterte die Veränderungen in der Arbeit von Yad Vashem im Laufe der vielen Jahre und die heutigen Ansätze des Wirkens der Gedenkstätte. Besonders die immer weiter abnehmende Zahl der Zeitzeugen habe veränderte Vermittlungsmethoden nötig gemacht. Dabei stehen heute die Menschen im Mittelpunkt, Schicksale Einzelner oder überschaubarer Gruppen.

Er erzählte, dass man im Grunde zwei Generationen nach dem Krieg in Israel verloren habe. Die erste Generation hat nur wenig, fast gar nichts über den Holocaust erfahren. Die Bereitschaft der Überlebenden, davon zu berichten war aus vielen Gründen zu gering. Die zweite Generation ging deshalb verloren, weil zu viele Zahlen und Fakten vermittelt wurden. Diese Mengen konnte und kann bis heute niemand gänzlich erfassen und begreifen. Nun geht man gegenwärtig einen anderen Weg und will die Menschen bewegen. Diese Bewegung hat er auch in der Arbeit von Andreas Brings erkannt. Aus einer inneren Haltung heraus, seit seinem 15 Lebensjahr, beschäftigt sich mein Mann intensiv mit dem Thema des Dritten Reiches bis zu dessen Nachwirkungen in der Gegenwart. Diese so lange schon andauernde Auseinandersetzung zeigt, dass es nicht um ein übergeordnetes Interesse in seiner Arbeit geht, sondern viel mehr um eine innere Haltung. Am 16.05. wollte man diese Mahnung der Vergangenheit aber auch die Gestaltung der Zukunft ehren.

Herr Rav-On wünschte meinem Mann weiterhin die Kraft und den Mut diese Tätigkeit beizubehalten und forderte ihn ausdrücklich auf, seinen Weg fortzuführen. Erforderlichenfalls sei auch Unterstützung durch den Freundeskreis Yad Vashem möglich. Die Auszeichnung sei nämlich auch ein Versprechen des Freundeskreises. Auch wenn heute niemand mehr um sein Leben fürchten muss, so ist die Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus immer noch ein Thema, welches Mut und Stärke verlangt.

Mein Mann bekam eine Anstecknadel von Yad Vashem. Sie zeigt einen Stacheldraht aus dem neues Leben, ein Zweig, erwächst. Ein Symbol für die vielen Toten und Opfer des 2. Weltkrieges aber auch der Hoffnung und Mahnung der heute Lebenden.

Ebenfalls überreichte man ihm ein Buch über Yad Vashem mit einer sehr persönlichen Widmung.

Beeindruckend war Rav-Ons Satz „wo ein Wille ist, gibt es keine Märchen.“ Das Tun als solches wurde heute im Rahmen der intimen und bewegenden Feierlichkeit gewürdigt. Es wurde deutlich, wie wichtig dem Freundeskreis Yad Vashem der authentische Einsatz jedes Einzelnen ist, egal in welchem Ausmaß dieser geschieht.

Arik Rav-On gelang es aufgrund seiner freundlichen und zugewandten Persönlichkeit, Mut und Hoffnung für das Handeln jedes Einzelnen zu wecken. So sagte er, dass in der Liste der Gerechten unter den Völkern derzeit ca. 510 Namen für Deutschland geführt würden. Für ihn seien es nicht „nur“ 510 sondern schon so viele. Er glaube, dass die derzeit bekannte Zahl sicherlich um ein Vielfaches erhöht werden könnte, weil es sicher tausende Tapfere gegeben habe, die man nur nicht kenne.

Zurück bleibt ganz deutlich das Zitat des Historikers Nethanjahu (Vater des heutigen Ministerpräsidenten Israels):

„Menschen, die die Vergangenheit nicht kennen, können die Gegenwart nicht verstehen. Und Menschen, die die Gegenwart nicht verstehen, können Ihre Zukunft nicht planen.“

Das Treffen ging mit dem Versprechen, die jeweilige Arbeit auch künftig gegenseitig zu unterstützen, zu Ende.

Regina Hiertz

Andreas Brings · Dozent Fachhochschule für öffentliche Verwaltung

Regina Franziska Hiertz · Diplom-Sozialpädagogin

post@geschichte-lebendig.de
mobil: 0177 - 52 61 471