Bericht zur Gedenkveranstaltung für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt am 23.02.2012 in Berlin

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Die Bundeskanzlerin Angela Merkel zitierte in ihrer Rede den irischen Denker Edmund Burke „Für den Triumph des Bösen reicht es, wenn die Guten nichts tun.“ Unter diesem Aspekt haben wir die persönliche Einladung des Bundespräsidenten, der Bundeskanzlerin, des Präsidenten des Bundesrates sowie des Präsidenten des Bundesverfassungsgerichtes als besondere Ehre und Anerkennung unseres Engagements verstanden. Laut des Berichts des Senders Phoenix gehörten wir einer Gruppe von 50 Personen an, die, Zitat:

„ [Es ist]...ein ganz wichtiges Zeichen, dass 50 Vertreter von Bündnissen und Projekten eingeladen worden sind, die sich im Alltag gegen Rechts engagieren, die Arbeit machen auf der Straße sozusagen, vor Ort und da den Menschen helfen, die sich durch Rechtsextremisten oder rechtsextremistisches Gedankengut bedroht fühlen.“

Zu erfahren, diesem nun doch sehr kleinen Personenkreis anzugehören, überraschte uns doch schon sehr.

Der Gendarmenmarkt, auf dem sich das Konzerthaus befindet, war bereits am Vortag, dem Mittwoch, weitläufig abgesperrt und wurde durch die Polizei gesichert. Dennoch konnten wir nach unserer Ankunft in Berlin mit Blick auf das Konzerthaus in einem Restaurant zu Abend essen. Das Hotel lag nur wenige Minuten fußläufig entfernt, was eine bequeme Erreichbarkeit am Morgen des 23.02. ermöglichte.

Zugang erhielt der geladene Personenkreis erst nach mehreren Sicherheitskontrollen. Im Konzerthaus konnten ab 9.15 Uhr die Plätze eingenommen werden.

Nach und nach trafen Persönlichkeiten der Politik, aber auch ausgewählte Personen des öffentlichen Lebens wie Iris Berben, Erol Sander und Jogi Löw ein. Die im Bundestag vertretenen Parteien wurden jeweils zumindest durch ihre Vorsitzenden repräsentiert. Ebenfalls nahmen die Familien der Opfer und Betroffene ihre Plätze ein.

Zuletzt kamen der Bundesratspräsident Horst Seehofer (in Vertretung des Bundespräsidenten) und die Bundeskanzlerin.

Das ausführliche Programm ist sicherlich bekannt bzw. kann auf der Homepage des Bundespräsidialamtes eingesehen werden, besonders eindrucksvoll war das Hereintragen der Kerzen, die für die Opfer bzw. die Hoffnung auf ein friedvolles Zusammenleben standen.

Aus unserer Sicht war die Gedenkfeier gelungen und dem Anlass entsprechend. Der Ablauf war dem Gedenken der Opfer angemessen aber sicherlich auch für die betroffenen Familien ein wichtiges Zeichen der Anerkennung ihres Leides und Schmerzes der vergangenen Jahre. Die Rede der Bundeskanzlerin wirkte ehrlich und ohne politisches Kalkül. Dies wurde durch die unmittelbare Nähe deutlicher als in der Übertragung durch die Medien. Ebenfalls war es möglich die Reaktionen der Politiker aber auch der anderen Gäste zu verfolgen und wahrzunehmen. Die Gedenkveranstaltung war der hoffnungsvolle Versuch das Gedicht von Josef Reding „Friede“ mit Leben zu füllen in dem es da heißt: „... Du, komm, lass uns zusammen spielen, zusammen trinken und zusammen leben, damit wir leben.“

Unser Handeln war und ist stets geprägt von persönlichem Engagement und dem Wunsch dieses „Zusammenleben“ ein Stück weit möglich zu machen in unserer Gesellschaft. Ganz persönliche und unterschiedliche Erlebnisse in unserer Vita wirken so nach, dass es nur folgerichtig ist, sich mit dem Thema „Nationalsozialismus“ zu beschäftigen. Dies ist bereits ein umfangreiches Feld welches durchaus für sich stehen kann. Dennoch ist es uns ein Anliegen, gerade mit dem umfangreichen Wissen über das Dritte Reich noch ein Stück weiter zu gehen und Menschen zum Thema Rechtsextremismus in Deutschland aufzuklären. Damit dieses „Zusammenleben“ auch gelingt ist es von großer Bedeutung, sich bewusst zu machen, dass es sich nicht um eine kleine Gruppe von Einzeltätern handelt. Es sind auch nicht nur einige wenige Opfer zu beklagen. Vielmehr bedroht das rechtsradikale Gedankengut alle freiheitlichen, demokratischen Werte und Grundrechte aller Menschen in Deutschland. An dieser Stelle möchten wir noch mal auf das eingangs erwähnte Zitat eingehen. Es reicht nicht aus, dass Böse zu sehen und zu kommentieren, viel wichtiger ist es das Gute zu tun.

Da unsere Arbeit zum Rechtsextremismus überwiegend ehrenamtlich oder nur gerade kostendeckend in einem oft schwierigen Umfeld erfolgt, war für uns diese Einladung und der Besuch reicher Lohn und große Anerkennung.

Die Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte in ihrer Rede auch: „Tagtäglich setzen zahlreiche kleine und größere Initiativen in unserem Land Zeichen gegen Hass und Gewalt. Ins Leben gerufen wurden sie von couragierten, mutigen Menschen. Einige von ihnen sitzen hier unter uns. Ich danke Ihnen stellvertretend für viele andere in unserem Land.“

Dies wird uns eine Motivation sein, unser Handeln und unsere Tätigkeit im Gedenken an diese Veranstaltung fortzuführen.

Den Verantwortlichen, die uns diese Einladung ermöglicht haben, sei an dieser Stelle noch einmal herzlich gedankt, für uns alle sollte diese Gedenkveranstaltung ein Ansporn sein.

Regina Franziska Hiertz und Andreas Brings

Andreas Brings · Dozent Fachhochschule für öffentliche Verwaltung

Regina Franziska Hiertz · Diplom-Sozialpädagogin

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